Erinnern und Gedenken
Verfolgung und Widerstand in Sangerhausen 1933-1945

Sozialisten


Franz Heymann

Paul Beck

Walter Telemann

Franz Heymann

Der Sozialdemokrat wurde am 12. Mai 1875 als Sohn eines Schuhmachers in Sangerhausen geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern bleibt er mit vier Geschwistern als Vollwaise zurück und lernt die Not der Arbeiterschaft im wilhelminischen Deutschland kennen. Nach Abschluss der Volksschule erlernt er das Handwerk eines Feilenhauers in der Sangerhäuser Feilenfabrik und gehört schon 1890 dem sozialdemokratischen Wahlverein an. Später wird er Mitglied er SPD und 1909 Stadtverordneter. Franz Heymann ist auch Mitbegründer der Sangerhäuser Konsum- genossenschaft, in der er viele Jahre als Hauptkassierer arbeitet. Mit seiner ruhigen, sachlichen Art genießt er das Vertrauen vieler Mitbürger. Gegen seine politische Überzeugung musste in den 1. Weltkrieg ziehen und Frontdienst, zuletzt als Unteroffizier, leisten. Nach dem Krieg setzt er seine politische Tätigkeit in der SPD fort und wird auch in den Provinziallandtag gewählt. Nach 1933 gerät er als ehemaliger Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Sangerhausen in das Visier der Gestapo und wird 1944 wegen fortgesetzter antifaschistischer Überzeugungs- arbeit verhaftet, in Halle verhört und ohne Prozess in das KZ Sachsenhausen deportiert. Er trug die Häflingsnummer 101620. Im Januar 1945 erkrankt er auf einem Transport bei eisiger Kälte im Güterwaggon und stirbt 70jährig in den ersten Märztagen 1945 im KZ Buchenwald. Heute trägt eine Straße in Sangerhausen seinen Namen. Eine ausführliche Lebens-geschichte verfasste sein Enkel Horst Heymann: Hier

Paul Beck

wurde am 26. Februar 1900 in Kindelbrück geboren. Sein Vater Schuhfacharbeiter und zog 1902 mit seinen vier Kindern nach Sangerhausen. 1914 schloss Paul Beck die Volksschule erfolgreich ab und erlernte den Beruf eines Modellschlossers. Gegen Endes 1. Weltkrieges wurde er noch eingezogen und kehrte nach traumatischen Fronterlebnissen schwer krank nach Sangerhausen zurück. Eine Lähmung des Unterkörpers fesselte ihn jahrelang an den Krankenstuhl. Während dieser Zeit beschäftigte er sich mit marxistischer Literatur und trat 1928 der KPD bei. Politisch gebildet und schriftgewandt redigierte er 1929-1933 den "Alarm", eine Ortszeitung der KPD-Sangerhausen. Paul Beck gehörte zu den ersten Sangerhäusern, die 1933 aus politischen Gründen verhaftet wurden. Monatelang erlebte er die Brutalität des Naziregimes im KZ Lichtenburg. Nach seiner Freilassung nahm er die illegale Tätigkeit wieder auf, wurde aber bald durch Verrat wieder verhaftet und am 20. Mai 1935 zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Kurz vor ende der Haftzeit erhielt seine Mutter die Nachricht: "Der Gefangene Beck hat am 26. Februar nach dem Essen Kopfschmerzen bekommen, hat die Besinnung verloren und ist daran gestorben." Es unterliegt keinem Zweifel, dass Paul Beck wie zum Hohn an seinem 40. Geburtstag am 26. Februar 1940 in der berüchtigten Strafanstalt Kassel-Welhheiden ermordet wurde. In Sangerhausen trug die jetzige Alte Magdeburger Straße in der DDR-Zeit seinen Namen.

Walter Telemann

wurde als Sohn einer Landarbeiterfamilie am 27. Februar 1906 in Sangerhausen, Schlossgasse 4, geboren. Nach Abschluss der achtjährigen Volksschule arbeitete er im Eisenwerk Barbarossa und später in der Maschinenfabrik Sangerhausen. Er war zunächst Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), trat aber 1923 zum Kommunistischen Jugendverband (KJVD) über. Walter Telemann war verheiratet und hatte zwei Kindern. Gegen seine Überzeugung wurde er 1940 zum Wehrdienst eingezogen und kam nach der Ausbildung in Erfurt zum Panzergrenadier-Regiment 59 nach Mittelrussland. Am 13. Mai 1943 wurde er, inzwischen Gefreiter, bei Nish-Tagino, Gebiet Orel, schwer verwundet. 1944 wird sein Regiment bei Bobruisk zerschlagen, Reste erreichen Ostpreußen zu einer Zeit, als dort gerade das Stauffenberg-Attentat stattgefunden hatte. Walter Telemann fasst den Beschluss, den weiteren Kriegsdienst zu verweigern und setzt sich von der Truppe ab. Am 4. August wird er von den Feldjägern gestellt und bei Sparken (Kreis Johannisburg) standrechtlich erschossen. Er gehört zu den Menschen, die im Krieg aus Überzeugung die Waffen niedergelegt haben. Der Deutsche Bundestag hat in seiner Entschließung von 2.9.2009 alle Urteile wegen Kriegsverrat aufgehoben. "Mit der pauschalen Rehabilitierung sogenannter Kriegsverräter stellen wir die Ehre und die Würde einer lange vergessenen Gruppe von Opfern der NS-Justiz wieder her. Wir erkennen damit den Widerstand der einfachen Soldaten an, denn sie waren am häufigsten Opfer dieser Vorschrift," heißt es zur Begründung. Walter Telemann ist einer von ihnen, an ihn erinnert ein Gedenkstein vor seiner ehemaligen Arbeitsstätte.