Erinnern und Gedenken
Verfolgung und Widerstand in Sangerhausen 1933-1945

Juden in Sangerhausen


Mittelalter

Im frühen 14. Jahrhundert sind Juden in Sangerhausen nachgewiesen. Das Deutzer Memorbuch berichtet über den Judenmord am 1349 in Nordhausen, dabei wird vermerkt, dass zur dortigen Gemeinde auch Juden in Sangerhausen gehörten. Namentlich bekannt ist eine

Jachand, Judea de Sangirhusen. Sie wird unter dem Jahr 1357 im Erfurter Judenbuch genannt und gehörte zu den Zuzüglern, die nach dem großen Judenmord der Jahre 1348/49 in Erfurt Aufnahme fand. An gleicher Stelle wird auch

Isaac de Sangirhusen, von Beruf Fleischhauer genannt. Über die Wiederansiedlung von Juden in Sangerhausen haben wir keine Nachricht, aber 1395 ist ein

Rumar, der Jöde belegt. Er besaß ein Haus nahe der Stadtmauer in der Lachsdorfischen Gasse, die bis zur Reformation auch Judengasse genannt wurde, was auf eine doch größere und geregelt jüdische Ansiedlung in Sangerhausen schließen lässt. Wenig später, 1398 ernennt Landgraf Balthasar den Juden

Joselin von Mühlhausen zum Vorsteher des Münzwechsels bei der Münze in Sangerhausen. Aus dem Kataster des Judenpfennigs erfahren wir, dass 4 jüdische Familien in Sangerhausen zu dieser Sondersteuer veranlagt wurden. Dazu gehörte

Koning, der 750 Gulden zu zahlen hatte, und

Abraham in Sangerhausen, nebst Stiefsohn, die zusammen mit 480 Gulden besteuert wurden. Beide Familien gehörten zur jüdischen Oberschicht und hatten Ansehen über unsere Stadt hinaus. Sie wurden durch Landgraf Friedrich II. (1384-1440) in ein siebenköpfiges Gremium jüdischer Notabeln berufen, das aus seinen Reihen den Judenschosser wählte. Der gleiche Herrscher verfügte aber schon 1436 die restlose Vertreibung der Juden aus der Landgrafschaft. Der Exodus hatte nicht die kriminellen Züge wie das Pogrom der Jahre 1348/49, aber ohne Beraubung und Gewaltmaßnahme ging es nicht ab. In einer nicht datierten, aber in den gleichen Zeitraum fallende Urkunde ersucht Graf Botho von Stolberg den Rat der Stadt Sangerhausen, „seinem Juden“

Abraham zu Kelbra gesezzin freien Durchzug und Schutz vor Handelsstreitigkeiten zu gewähren. Es dürfte dies der letzte Hinweis auf Juden in Sangerhausen während des Mittelalter sein.

Hier finden Sie zum Download weitere Informationen und Bildtafeln über Sangerhäuser Juden im Mittelalter.

Neubeginn  im 19. Jahrhundert

Nachdem in der Reformation das jüdisches Leben in Sangerhausen erloschen war, brachten erst die Veräderungen in Deutschland durch die französische Revolution und die napoleonischen Kriege einen Neuanfang. Der erste namentlich bekannte Jude ist Moses Pinthus (1781-1836), der um 1806 aus Graetz (Provinz Posen) zugezogen war. Die völlige Gleichstellung der Juden durch die Verfassung des Norddeutschen Bundes bringt einen vermehrten Zuzug. Im 19. Jh. waren die Sangerhäuser Juden überwiegend im Handel mit Textilien tätig. Der Brockhaus aus dem Jahr 1898 nennt 56 jüdische Einwohner in Sangerhausen. Die religiös gebundenen Juden gehörten zur Synagoge in Eisleben.  (Artikel ist noch im Aufbau)


Juden in Sangerhausen. Hier finden Sie Namen und Lebensdaten jüdischer Mitbürger von 1812 bis 1945.

 


Jüdische Schicksale im Nationalsozialismus

Dieses Thema war lange Zeit vernachlässigt und ist bis heute quellenmäßig nicht hinreichend aufgearbeitet. Für die meisten Sangerhäuser Juden war der Boykott-Tag im April 1933 das Signal zum Aufbruch. So verließ die alteingesessene und angesehene Familie Loewe mit den Eltern Moritz und Henriette, sowie den Kindern Heinrich, Arthur, Betti, Johanna und Lotte, unter diskriminierenden Umständen Sangerhausen.

Von den in der Stadt verbliebenen jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen sind nach bisheriger Erkenntnis folgende Opfer des Holocaustes geworden:


Adele Hampel, geb. Gosler (18.12.1874-22.11.1942) im KZ Theresienstadt verstorben.

Gorek, Sofie Luise, geb. Schneider (23.02.1877-22.11.1944) im KZ Theresienstadt ermordet.

Ikenberg, Ernst (04.01.1901-18.05.1944) in Auschwitz ermordet.

Fleischmann, Otto (11.12.1879-03.06.1942) im KZ Sobibor ermordet.

Fleischmann, Rosa geb. Friedmann (26.01.1878-03.06.1942) im KZ Sobibor ermordet.

Bernstein, Jutta, geb. Fleischmann (28.01.1911-03.06.1942) im KZ Sobibor ermordet.

Bernstein, Eva (02.04.1938-03.06.1942) im KZ Sobibor ermordet.


Zu den Sangerhäuser Juden, die Konzentrationslager oder andere Formen von Zwangsaufenthalten überlebten, gehören:

Therese Meyerstein, geb. Flatow (16.11.1874-1945) und ihr Sohn Erhard Meyerstein (3.3.1891-14.12.1982).

Die Recherche zu diesem Personenkreis ist noch nicht abgeschlossen.

Die öffentliche Erinnerung und Ehrung

der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus beginnt in Sangerhausen erst im Jahr 1995 mit der Anbringung einer allgemein gehaltenen Gedenktafel am Alten Rathaus. Die Initiative „Erinnern und Gedenken“ hat seit 2012 eine Individualisierung des Gedenkens durch die Verlegung von „Stolpersteinen“ an den ehemaligen Wohnorten der verfolgten Jüdinnen und Juden initiiert.


Hier finden Sie Kurzbiographien zu den Sangerhäuser Opfern des Holocaust und die Verlegeorte der Stolpersteine.


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