Erinnern und Gedenken
Verfolgung und Widerstand in Sangerhausen 1933-1945

Christlicher Widerstand

Albrecht Gubalke

Ernst Orphal

Alban Hess

Alban Hess

Der  Buchhändler und Verleger Alban Hess war ein entschiedener Gegner  des National- sozialismus und jeder Art totalitärer Gesellschaft. Geboren wurde er am 2. August 1891 als Sohn des Buchbindermeister Richard Hess in Sangerhausen.  Er besuchte 1897-1905 die Mittelschule und anschließend bis 1908 die kaufmännische Berufsschule in Sangerhausen. Aus Liebe zu den Büchern wurde er Buchhändler. Als Persönlichkeit geprägt hat ihn das Kriegserlebnis. Aus den Schützengräben und englischer Gefangenschaft kehrte er 1918 als religiöser Pazifist zurück. 1922 gründete er als selbständiger Buchhändler die Firma Alban Heß Bücherstube. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten weigerte er sich, in seinem Laden Hitlers Hetzschrift Mein Kampf anzubieten. Die Bücherstube wurde zu einem Treffpunkt von Regimegegnern in Sangerhausen. 1941 wurde Alban Hess verhaftet und 1942 wegen politischer Vergehen zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haftzeit in Erfurt und Ichtershausen kam Alban Hess ins KZ Buchenwald. Er erlebte die Selbstbefreiung des Lagers im April 1945 und kehrte nach Sangerhausen zurück. Zunächst widmete er sich ausschließlich dem kirchlichen Leben. Dere Aufbau eines Verlages betrachtete er als seine Lebensaufgabe. Diesem Ziel diente auch die Gründung der noch heute bestehenden St. Michael-Buchhandlung. Alban Hess gehörte mit anderen Sangerhäusern, die einen demokratischen Neuanfang suchten, zu den Gründern der CDU in Sangerhausen. Er wurde im Herbst 1945 zum Vorsitzenden des Ortsverbandes und kurze Zeit danach in den Kreisverband dieser Partei berufen. Die spätere politische Entwicklung enttäuschte ihn, er kritisierte das System der Blockparteien in der DDR und praktizierte einen öffentlichen Wahlboykott. Dies brachte ihn erneut in den Konflikt mit einer alleinherrschenden Partei. Alban Hess starb am 26. April 1970. Heute trägt die ehemalige Leninstraße seinen Namen

Albrecht Gubalke

war ein antifaschistisch orientierter Sangerhäuser Pfarrer und Kunstwissen- schaftler. Er wurde am 1. März 1886 in Mechterstädt bei Gotha geboren und nahm 1913 nach dem Studium der Theologie in Berlin und Marburg eine Pfarrerstelle in Linda (bei Neustadt an der Orla) an. In den Krieg ging er 1914 Freiwilliger und wurde Offizier. Das Kriegs- und Nachkriegserlebnis schärfte sein Gefühl für Solidarität und ließ ihn den Irrweg nationalistischer Verblendung erkennen. 1920 wurde er Pfarrer an St. Ulrici zu Sangerhausen. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte die Einrichtung einer Notstandsküche für Erwerbslose, 1923 entstand auf seine Initiative ein Kindergarten und Schulhort für Kriegswaisen, später ein Säuglingsheim und eine Krippe für Kinder aus erwerbslosen Familien. Der bemerkenswerteste Beitrag Gubalkes für den Erhalt der Demokratie war die Herausgabe des ev. Monatsblattes „Die Unruhe“. Hier warnte Gubalke in zahlreichen Beiträgen deutlich vor der heraufziehenden Gefahr des Nationalsozialismus. Nach 1933 erfolgten scharfe Angriffe in der Presse und in der Stadtverordnetenversammlung auf ihn als Person und auf die theologischen und politischen Ansichten, die er vertrat. Dies führte schließlich zu einem kirchlichen Disziplinarverfahren und seiner Suspension vom Dienst. Im Ruhestand nutzte Albrecht Gubalke kunstwissenschaftliche Schriften, um den unchristlichen und menschenfeindlichen Charakter des Naziherrschaft  zu entlarven. Am 3. August 1943 ist er an einem Herzschlag in Naumburg verstorben.

Ernst Orphal

Der Sangerhäuser Pfarrer Ernst Orphal wurde am 20. Juni 1890 in Eisleben geboren. Nach dem Abitur studierte er 1910-1914 Theologie an den Universitäten München, Heidelberg und Berlin. Im Dezember 1914 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, nahm 1916 an der Somme-Schlacht teil und geriet in englische Gefangenschaft. Nach der Entlassung 1918 wurde er Hilfsprediger an St. Nicolai in Frankfurt/Oder und heiratete Dorothea Heuer. Weitere berufliche Stationen als Pfarrer waren Ratzdorf (Kr. Guben) und Neutornow (bei Freienwalde). 1932 wurde Ernst Orphal zum Pfarrer an St. Jacobi in Sangerhausen berufen. Bald nach 1933 schloss er sich der Bekennenden Kirche an und beteiligte sich aktiv am Kampf gegen die „Deutschen Christen“. Im Hause des Pfarrers wurde der illegale Rundbrief des Pfarrernotbundes vervielfältigt. Dieses Engagement brachte Orphal sowohl die Androhung der Dienstenthebung durch das Konsistorium als auch zahlreiche Verhöre durch die Gestapo sowie ein Verfahren wegen Vergehens gegen das „Heimtückegesetzt“. Am 10. Januar 1943 starb Ernst Orphal geschwächt durch Verhöre und Inhaftierung sowie Verleumdungen und Schikanen in seinem Lebensumfeld. Heute erinnert eine Gedenktafel in Sangerhausen, Markt 22, an seinen mutigen Kampf.